In der Übergangsklasse lernen Kinder aus aller Welt Deutsch als Zweitsprache.

Übergangsklasse?! Noch nie gehört!

Posted on Posted in Übergangsklasse

Bekommen Sie das öfters zu hören, wenn Sie von Ihrer neuen Arbeit in der Übergangsklasse erzählen? So geht es mir auch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis! Dabei gibt es die Übergangsklassen schon seit sehr vielen Jahren. Ich war 1992 selbst in so einer Klasse. Damals kamen sehr viele Aussiedler aus Russland und Polen nach Deutschland, außerdem viele Menschen aus dem Kosovo. Für ihre Kinder wurden Klassen eingerichtet, in denen man sehr intensiv Deutsch gelernt hat. Nach vier Stunden Deutschunterricht in der Ü-Klasse waren die Schüler in ihrer Regelklasse und haben dort Sport, Kunst und nach Kräften in anderen Fächer mitgemacht.

„Den typischen Ü-Schüler gibt es nicht!“

In der Übergangsklasse werden Kinder und Jugendliche aus aller Welt unterrichtet – Italien, Rumänien, Griechenland, Polen, Kroatien, aber auch Somalia, Burma und China ist vertreten. Woher kommen Ihre Schüler?

So verschieden die Herkunft der Schüler auch ist, das sollten wir nicht als Problem, sondern als Bereicherung sehen. Nicht nur Schüler lernen in der Ü-Klasse viel Neues!

In der Ü-Klasse 1 – 4 werden Schüler, die noch keine Vorkenntnisse im Lesen und Schreiben haben, gemeinsam mit Kindern unterrichtet, die schon zwei Sprachen beherrschen.

In der Ü-Klasse 5-9 an der Mittelschule werden Kinder und Teenager im Alter von 10 – 18 Jahren gemeinsam unterrichtet. Da liegen in der Entwicklung auch Welten dazwischen!

Auch ihre Vorbildung reicht von 2 Jahre Grundschule (als 15-Jähriger) bis private „International School“. Sie werden vielleicht auch ein geistig behindertes Kind genauso integrieren müssen, wie ein hochbegabtes Kind vom Gymnasium.

„Elternarbeit in der Übergangsklasse mit Hand und Fuß…

Pardon, mit Händen und Füßen!“

Bei so unterschiedlichen Kindern ist die Elternschaft auch sehr heterogen. Manche Eltern haben hier als Akademiker eine gute Arbeitsstelle bekommen und sprechen fließend Englisch. Andere flüchten vor Armut und schlechten Zukunftsaussichten. Manche Flüchtlingskinder kommen alleine nach Deutschland und leben in Heimen für unbegleitete Jugendliche. Trotzdem kommen in einer Übergangsklasse mehr Eltern zu einem Elternabend als in der Regelklasse der Mittelschule. Sie werden also auf Englisch, mit Händen und Füßen, mit einem Dolmetscher und mit dem Online-Wörterbuch kommunizieren müssen. Das klingt komplizierter als es wirklich ist und mit einer gesunden Portion Humor durchaus zu bewältigen.

Zeigen Sie Einsatz bei der Elternarbeit, es lohnt sich! Sie werden ihre Kinder weiterhin zu Respekt vor Lehrern erziehen und dafür sorgen, dass ihre Hausaufgaben gemacht und alle Zettel und Formulare schnell abgegeben werden.

„Ich will Sie nur kurz besuchen!“

Es ist Anfang des Schuljahres 2015/2016 und meine alten Ü-Schüler der letzten Jahre kommen oft morgens vor dem Unterricht vorbei und erzählen mir von ihren Erfolgen in der Regelklasse. Auch wenn sie sich gut integriert haben, vermissen sie ihre alte Ü-klasse, die für sie wie eine Familie war. Nach spätestens 2 Jahren müssen die Kinder den Übergang in die Regelklasse schaffen, daher der Name „Übergangsklasse“. Man sollte es jedoch individuell gestalten. Manche Schüler lernen unglaublich schnell und wechseln schon nach 6-7 Monaten. Andere brauchen auch nach zwei Jahren noch eine Zusatzförderung.

„Schüler interkulturell flexibel fördern“

Das ist nicht nur unsere Aufgabe und eine große Herausforderung, sondern auch ein hilfreicher Rundbrief der bayerischen Schulberatung:

http://www.schulberatung.bayern.de/imperia/md/content/schulberatung/pdfmuc/migration/ms_uebergangsklassen_schiff_ausgabe_5.pdf

Dort erfahren Sie, wie „Deutschlernen in und durch Übergangsklassen“ funktioniert. Außerdem finden Sie dort die Erfahrungen einer Lehrkraft, nützliche Links und Buchbesprechungen.

Generell gibt es sehr viele Informationen zu Themen „Ü-Klasse“ und „Deutsch als Zweitsprache“ im Internet. Niemand kann jedoch die 794.000 Treffer alle durchlesen, verarbeiten und daraus lernen. Arbeiten Sie sich langsam aber gründlich ein und Ihre neue Aufgabe als Klassenlehrer einer Übergangsklasse wird Ihnen sehr ans Herz wachsen. Da bin ich mir sicher!

Falls Sie noch weitere Fragen haben, kontaktieren Sie mich bitte durch das Kontaktformular. Ich freue mich auch über Kommentare zu meinen Posts. Woher kommen Ihre Ü-Schüler und welche Voraussetzungen bringen Sie mit? Teilen Sie hier Ihre Erfahrungen – Sie werden schnell merken, Sie sind damit nicht allein!

Viel Erfolg wünscht Ihnen Ihre Julia Art!

Newsletter

+ 50 Aufsatzthemen "Öffne Dein Herz!"

* erforderlich





One thought on “Übergangsklasse?! Noch nie gehört!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*